Meine Welle

 

Schon mit 12 Jahren habe ich mit den Erwachsenen über das Leben mit seinen Eigenheiten, über Politik oder was ich gut oder blöd fand, philosophiert. Dann habe ich hitzig pubertiert und mit 16 Jahren den BSE-Skandal mit den Kühen hautnah (aus den Medien natürlich) miterlebt. Hier bemerkte ich das erste Mal, dass etwas in meiner "Raum-Zeit-Ordnung", die ich von der Welt hatte, nicht stimmte. Ich wurde Vegetarierin aus Überzeugung für eine gerechte Welt und mein Interesse, Kampf oder meine Überzeugungen begannen ihren intensiven Lauf: in der Schule trat ich ein für mehr Gerechtigkeit als Klassensprecherin, in der Familie für mehr Gerechtigkeit betreffend Geschlechter-Rollenverteilung und der Eltern-Kind-Rollenverteilung. In Glaubensfragen wollte ich wissen, wer oder was ist Gott? Was hat das mit Religion zu tun? was ist eine Sekte? Wer ist was? Wer bin ich und wenn ja wie viele? Unenedliche, sehr tiefsinnige, intensive Gespräche resultierten daraus, die mir viele Einblicke in diverse Lebensmöglichkeiten gaben. Ich habe das Leben voll ausgekostet, wollte alles wissen von verschiedenen Seiten, habe an allem mal geschnüffelt und mich teilweise reingestürzt. Mein Leben fand zu meinen Freuden statt! Mit vielen tollen, philosophierenden, tiefgründigen Freunden, an unzähligen, sehr tiefsinnigen und inspirierenden Wald- und Wiesen-Parties und immer mit einem Hund an meiner Seite, der mir stets das Wesen der unbelassenen Natur zeigte. So durfte ich das Leben kennenlernen und geniessen. 

 

Ich glaubte damals, dass wenn ich genügend ausgebildet bin, zb. mit Uni-Abschluss in Psychologie und Wirtschaft, dass ich die Welt verbessern kann. Der Selbstmord eines nahestehenden Freundes hat mich aber sofort wieder "wachgerüttelt" und mir die stetig verändernde "Raum-Zeit-Odrnung" gelehrt. Die Erkenntnis daraus: das Leben findet nicht an der Uni, sondern im Leben statt. Ich brach also die Uni ab und brauchte etwas Beständiges, Solides - ich wurde Immobilienspezialistin: Immobilienbewirtschaftung, Immobilienentwicklung, Immobilienmarketing und -Verkauf. Es hat mir eigentlich sehr Spass gemacht, aber trotzdem habe ich alle 1 1/2 Jahre die Stelle gewechselt. Meine Ideen und diejenigen der Firmen haben sich rasant entwickelt und ich wollte auf monatelange Reisen gehen: Armuts-Entdeckung in Indien, Meditieren in Thailand, per Autostop durch Israel, Feste feiern in Mexiko, Erkundungstour durch Europa, ua. zu einem Aktivisten-Besetzungs-Camp in Brugge, Belgien, damit ein Waldteil nicht abgerodet werden kann. Für mich war der Beruf wichtig, aber die Herzensangelegenheiten ebenfalls - und auf die wollte ich nicht verzichten. Zum Glück!

 

Man hat mich immer wieder gewarnt: "Dein Lebenslauf, Dein Lebenslauf! Achte auf Deinen Lebenslauf!" Ja und genau dieser Lebenslauf hat mich aber so viel gelehrt, viele Erkenntnisse gebracht, viele neue Ideen für mich und die Welt gebracht - so habe ich wieder gemeint.

 

Mit 29 Jahren hatte ich eine tiefe Sinn-Krise: da war kein Partner, kein Geld, keine Wohnung, gerade an einer Ausbildung zur Immobilienvermarkterin FA, die mich irgendwie blockierte und ein tiefer Wunsch nach eigener Familie mit Kindern...den Hund hatte ich ja schon an meiner Seite.

 

Immer wieder in meinem Leben hatte ich den Zustand des Nichts, resp. des Glückseligen, resp. der Leere erlebt. Was das war, er-kannte ich nicht. Als ich mich während dieser Krise bewusst entschied, die Vergangenheit mit allen unerfüllten Beziehungen loszulassen - an einem völlig gewöhnlichen Dienstagabend, bei einer Freundin auf dem Bänkli bei Sonnenuntergang, da geschah etwas Unerwartetes: Plötzlich war ich einfach nur DA, das Universum, das Bänkli,  die Natur, das Haus, der Weg, wir und alles WAR einfach und auch war einfach NICHTS. Nichts war wichtig, nichts war komisch, ES war einfach DA. Und so wie dieser schöne, normale, klare Zustand gekommen ist, genau so ist er auch wieder gegangen...und es war einfach gut so. Am Samstag drauf habe ich Martin an einer Schnee-Party kennengelernt. Er war auch einfach da und unsere Liebes- und Familiengeschichte begann. 1 1/2 Jahre später wurde ich mit unserem ersten Baby schwanger.

 

Seit bald 12 Jahren besuche ich die Jahreskreisfeste während des ganzen Jahres, an denen wir uns mit der Natur verbinden und uns bei ihr bedanken.Coachings zum Musterauflösen, Verhaltens- und Körpersprachenpsychologie-Kurse, Suizid-Früh-Erkennungs-Seminare und viele Kurse mehr haben meinen Horizont erweitert. Ebenfalls durfte ich schon einige Persönlichkeitsschulungen durchlaufen wie zb. bei einer Persönlichkeitsanalyse mit Coachingbegleitung durch meine Supervisorin Eva Klein (eva-klein.de) und natürlich beim bewussten Erleben im Alltag, alleine Meditieren oder in Gruppen.

Bei meinen Schwangerschaften besuchten Martin und ich einen mentalen Geburtsvorbereitungskurs sowie Einzelsitzungen für die Geburtshypnose. Nach der ersten Geburt absolvierte ich dann die Ausbildung zum Geburtshypnose-Coach am Institut für ganzheitliche Methodik IGM in Zürich. Die Ausbildung zum Integral Coach CIS in Bern bei Living Sense durfte ich im Jahre 2016 erfolgreich absolvieren. Ebenfalls im Jahre 2016 habe ich an einem äusserst interessanten und lehrreichen Online-Kongress zu Schwangerschaft und Geburt mit ca. 60 Interviews teilgenommen. Erst vor Kurzem durfte ich bei GRACE Sharanam in Freiburg im Breisgau ein 4-tägiges Seminar der Einkehr erleben. Erst hier habe ich er-kannt, dass diese Zustände des Nichts, die ich schon oft erlebt habe, ein Zustand des Göttlichen, Gott, des Wahren Selbst, des All-Eins ist. Und dass all mein Geglaubtes nur geglaubt wird von einem kleinen Ego, das eigentlich ein Werkzeug für Analyse, Bewertung und Einteilung ist. Es gehört zu mir, aber es bestimmt mich nicht mehr. Über das Ego hinaus ist es Nichts und das Nichts ist einfach DA.

 

Deine

Carmen