Warum eine Hausgeburt Sinn macht

Die Angst vor der Geburt ist oftmals gross. Viele werdende Mütter und Väter wissen nicht, auf was sie sich einlassen werden. Wie gross sind die Schmerzen und was ist, wenn etwas passiert? Die Verunsicherung wächst, wenn wir in unserem Umfeld nach positiven Geburtserlebnissen suchen. Und in dieser gefährlichen Situation soll man auch noch daheim bleiben zum Gebären? Völlig unbegreiflich finden die einen. Und doch kann eine Hausgeburt zu der eigenen Sicherheit beitragen.

 

"Guten Morgen, Schatzi, unser Kindchen hat sich auf den Weg gemacht", so erwacht mein Liebster an diesem heissen Montagmorgen im August 2018. Unsere beiden grösseren Söhne sind schon in der Wohnstube am Spielen. "Ooooh, da kommt wieder eine", berichte ich ihm. "Wie oft kommen die Wellen"? fragt er mich. "In der Nacht um halb 2 haben die Wellen mit 6 Minuten Unterbruch begonnen. Heute Morgen kommen sie alle 5 Minuten" Ich  benachrichtige die Hebamme das erste Mal um 7 Uhr, teile ihr aber mit, dass sie sich erst auf den Weg machen soll, wenn ich sie nochmals anrufen würde.

 

Ich nenne die Wellen aus Prinzip Wellen und nicht Wehen, weil ich mich auf meine Geburt mit Freude vorbereitete. In meinem Verständnis machen Wehen weh, somit nehme ich ein für mich positives Wort wie Wellen. 

 

Wir sind also alle zuhause und warten auf die Geburt unseres dritten, kleinen Sonnenscheins. Mädchen oder Junge? Wir haben keine Ahnung. Aber weil wir schon mit zwei Jungs gesegnet wurden, würde ich mich über ein Mädchen sehnlichst freuen. Natürlich wäre auch ein weiterer  Junge herzlich willkommen. Hauptsache gesund? Nein  - Hauptsache geliebt und zuhause geboren! Denn zuhause, nach meiner Intuition und meinem Wissen, ist ein ungesundes Kind oder Mutter eher unüblich.

 

Echt jetzt?

 

Angst vor einer grausamen Geburt

 

Schon in der ersten Schwangerschaft im Jahre 2014 verspürte ich den Wunsch nach einer Hausgeburt. Interessanterweise war ich mit diesem Wunsch nie die Einzige, so wie ich es heute noch aus meinen MentalBirth-Kursen, aus Facebook-Gruppen und Geburtsberichten erfahren habe. Die Frauen würden gerne ihrer Intuition folgen, werden aber oftmals durch die vielen grausamen Geburtsgeschichten von Verwandten und Freundinnen verunsichert. Dann sind es auch ihre Männer, die es sich nicht vorstellen können, dass sich ihre Frau in diese "gefährliche" Situation begibt. "Warum soll sich meine Frau in Gefahr begeben, wenn wir die besten medizinischen und technischen Möglichkeiten haben?" höre ich immer wieder von werdenden Vätern. Durchaus verständlich.

 

Auch mein Mann meinte vor der ersten Geburt: "lass uns wenigstens in ein Geburtshaus gehen, wir kennen uns ja wirklich nicht aus." So hatte ich mich beim ersten Sohn dieser Idee vom Geburtshaus hingegeben. Es war keine schlechte Idee. Nur, weshalb ich unter der Geburt ins Auto steigen soll, wollte mir irgendwie nicht recht aufleuchten. Logisch gedacht, verstand ich es schon, wir wollten ja dahin fahren. In der Intuition allerdings war es mir widerspenstig, unter der Geburt in ein Auto steigen zu müssen. Wir haben es trotzdem getan.

 

Die Geburt hatte sehr angenehm und entspannt begonnen. Als das Kind aber nach 25 Stunden noch immer nicht da war, ich schon lange nicht mehr geschlafen hatte, überkam mich das Gefühl, dass es vielleicht doch schneller gehen sollte. Ich war sehr müde und erschöpft und hatte plötzlich Bedenken, mein Körper sei doch nicht fähig. Und ich fühlte mich auch irgendwie schlecht, weil ich das Geburtszimmer so lange besetzte. So setzte ich mich selbst langsam aber stetig unter Druck. Weil wir es dann so besprochen hatten und es für mich in Ordnung war, versuchten wir den Geburtsverlauf zu beschleunigen. Die Hebamme brachte die Fruchtblase zum Platzen. Eigentlich war diese Beschleunigungstaktik völlig grundlos und leider auch ein grosser Fehler, wie es sich für mich später herausstellte. Denn mit diesem einzigen Eingriff in den natürlichen Geburtsverlauf wurde der Boden für weitere Eingriffe, für Indikationen und Medikationen genährt. Die plötzlich so extrem heftigen Geburtsschmerzen fühlten sich unnatürlich und unaushaltbar an. Ich schrie wie am Spiess vor Schmerzen. Auch Martin wurde bleich und hielt es nicht mehr aus. So habe ich schlussendlich in einem Spital mit einer PDA meinen ersten Sohn geboren. Das Kindchen gab ich nicht mehr her. Zum Wägen und Vermessen mussten die Hebammen bis am Morgen warten, denn niemand durfte mein Baby mitnehmen. Anschliessend gingen wir zurück zum Geburtshaus ins Wochenbett.

 

Diesen Eingriff wollte ich nie mehr erleben!

 

Für die zweite Schwangerschaft im Jahre 2016 hatte ich mich dann definitiv für eine Hausgeburt entschieden. Ich wollte nicht mehr unter Druck geraten, weil sich die Dauer so lange anfühlte. Ich träumte von einer Hausgeburt, bei der ich mich 24, 48 oder 72 Stunden einfach dem SEIN hingeben konnte. Ich meditierte jeden Tag und bereitete mich mental sehr innig auf die Geburt vor. Auch erlebte ich in dieser Schwangerschaft eine individuelle Geburtshypnose-Sitzung bei einer Hypnosetherapeutin. Der Löwe als mein und Babys Geburts-Krafttier begleitete uns durch die Geburt. Vaginale Untersuchungen während der Geburt lehnte ich strikt ab und hatte mir vorgängig eine Hebamme gesucht, die dies akzeptierte. Mein Umfeld allerdings irritierte mich abermals. Meine Freundinnen und die Familie fanden es verantwortungslos, zu gefährlich, zu unglaublich, zu unsicher. Seit der ersten Geburt aber sezte ich mich so eingehend mit Geburten und ihrem natürlichen Verlauf auseinander, dass es gar keine andere Variante mehr geben konnte, als Zuhause in gewohnter Umgebung zu bleiben um zu gebären.

 

Ich war mittlerweile der festen Überzeugung, dass eine Hausgeburt sogar das Gegenteil bedeutet - nämlich Sicherheit für einen natürlichen Geburtsverlauf!

 

Säugetiere ziehen sich zum Gebären zurück

 

Wenn wir nämlich unsere ursprünglichen Wurzeln, die der Säuger-Gattung beachten, dann macht eine Hausgeburt durchaus Sinn. Wir Frauen gebären nämlich instinktiv! Der Ausscheidungsreflex ist dafür verantwortlich. Der gleiche Reflex, der auch für den Stuhlgang verantwortlich ist. Unglaublich, oder? Um diesen Instinkt vollständig "arbeiten" zu lassen, brauchen wir absolute Ruhe und Geborgenheit - wie auch auf der Toilette. Dies hat der bekannte Frauenarzt und Geburtsbegleiter Michel Odent schon vor Jahrzehnten erkannt und umgehend für eine frauenfreundlichere Stimmung in seinen Krankenhäusern gesorgt. Damit sich Frau also maximal entspannen kann um gut zu gebären, nimmt Herr Odent zur Erklärung das Wort "Privacy" aus dem Englischen.  Es bedeutet Privatsphäre, beschreibt aber auch die Geborgenheit und den Rückzug. Privacy erlebt die Frau vor allem in ihrer gewohnten Umgebung - dies ist meistens ihr Zuhause oder der Ort, den sie als Zuhause empfindet.

 

Zum Gebären ziehen sich also alle Säugetier-Wesen zurück an einen sehr ruhigen, gemütlichen, ungestörten Ort - nur wir Menschen gehen für die Geburt in die Öffentlichkeit - ins Krankenhaus!

 

Ausserdem spielt noch ein anderer Faktor eine grosse Rolle. In den Urvölkern, wie zb. noch heute in Neuguinea gebären die Frauen im Busch-Dorf im Frauenhaus ausschliesslich mit weiblicher Begleitung. Sie haben meistens einen schnellen und ungestörten Geburtsverlauf, gemäss Erzählungen von meinem Bekannten Erich, ein Missionar, der heute wieder im Bernischen lebt. Untersuchungen in England haben sogar gezeigt, dass Schwangere mit einer weiblichen Begleitperson im Durchschnitt kürzere und unkompliziertere Geburten haben als Schwangere mit männlichen Partnern. Dass wir in den modernen Kulturen also genau entgegen unserer natürlichen Art gebären, nämlich gebären gehen und mit männlicher Begleitperson, macht die Geburt also durchaus nicht sicherer, sondern sogar eher unsicherer! Ich finde allerdings nicht, dass die werdenden Väter ausgeschlossen werden sollten. Sondern, dass sie sich wirklich gut vorbereiten sollten.

 

Was Du im Spital tun kannst um Deine Säuger-Wurzeln zu beachten

 

Natürlich fühlen sich viele werdende Mütter und Väter in einer Spitalumgebung sicher. Dafür ist es ja auch da. Damit sich also Gebärende und ihr/e Geburtsbegleiter*in auch in einer Spitalumgebung gestützt und geborgen fühlen können, habe ich das MentalBirth-Konzept entwickelt. Es richtet sich nach drei Schwerpunkten: Tiefenentspannung, Visualisierungen und Körperbewusstsein. Es kann überall angewendet werden. Ausserdem gehen wir intensiv auf die Suche nach noch ungeklärten Blockaden, aber auch nach Gegenständen, Ideen, Hilfsmitteln, die die gebärende Frau an ihr Kraftort sowie  an Geborgenheit und Entspannung erinnert.

 

Am 13. August 2018 durfte ich unser drittes Kind, Lavinia Belinda, in die Arme nehmen. Auch diese Geburt fand zuhause im Gebärpool, in Ruhe und Geborgenheit, statt. Lavinia kam ebenfalls in totalem Frieden auf diese Erde, ohne Druck, ohne Medikation und ohne Eingriffe. Und ja, beide Hausgeburten waren archaisch, durchdringend und ja, sie haben mich auch wirklich an meine äussersten Grenzen gebracht. Es waren aber niemals dieselben Schmerzen, wie ich sie nach der Manipulation meiner ersten Geburt erlitten hatte. Sie waren echt, natürlich und fühlten sich sehr heilig an. Es war Freude und tiefe Liebe mit Schmerz zugleich. Es durfte einfach SEIN!

 

Hast Du auch Lust auf eine freudvolle Geburt wie ich sie erleben durfte? Dann melde Dich bei mir, wenn Du noch mehr Infos zum Kurs möchtest. Ich freue mich auf Deine Anfrage zum MentalBirth-Kurs.

 

 

Deine Carmen

 

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Artikel zum Richtungswechsel der WHO. Wo gebären? Zu HAUSE!

 

Hier sind noch einige Fragen und Antworten, die während den Kursen zu meinen Hausgeburten immer wieder auftauchen. Viel Spass beim Lesen.

 

Was ist mit der Sicherheit während der Geburt?

 

Hier frage ich Dich von welcher Sicherheit Du genau sprichst? Die äussere oder die innere Sicherheit? 

 

Was Du hier im Kurs lernst, ist, wie du zu Deiner ganz persönlichen inneren Selbstsicherheit gelangst. Während das Gebären eine Instinkthandlung ist, kannst Du Dich auch einfach auf Deine innere Sicherheit berufen. Wenn Du weisst, dass Dein Körper imstande ist zu gebären, dann wird die äussere Sicherheit plötzlich unnötig. Wichtig für die innere Sicherheit ist die totale Entspannung.

 

Ist eine Hausgeburt denn nicht gefährlich?

 

Nein. Da die Frau in ihren eigenen vier Wänden ist, Privacy erlebt, also in Ruhe und Geborgenheit ist, sich ganz ihren alltäglichen Arbeiten oder dem Hobby widmen kann, hat sie eine höhere Chance, sich maximal zu entspannen und ihren Körper einfach arbeiten zu lassen. Auch gebiert die Frau auf ihre eigene Verantwortung und ist sich dessen sehr bewusst! Die Frau kann sich gerade dem hingeben, was ist, ohne Druck und ohne Rechenschaft abzulegen, ob und wie weit der Muttermund schon offen ist oder ob sie das Geburtszimmer nun schon seit 12 oder 24 oder  48 Stunden besetzt. Sie ist völlig frei, kann rausgehen, ist nicht an CTGs oder andere störende Geräte angeschlossen und kann sich einfach dem Geburtsverlauf anpassen.

 

Was ist wichtig betreffend den anwesenden Personen?

 

Lerne Deine Hebamme und auch Deine/n GeburtsbegleiterIn sehr gut kennen.

 

Bestimme selbst, wann und wer Dich während der Geburt anfasst – denke daran, dass jeder Eingriff (auch für eine "Bestandesaufnahme" der Geburtsöffnung) der direkte Weg hin zu Komplikationen ist - also zu Schmerzmittel, zu einer PDA oder zu einem Kaiserschnitt. Besprich  mit Deinem Geburtsbegleiter/ Geburtsbegleiterin ganz genau, was es für ihn/sie bedeutet, wenn die Schöpfungskraft durch Dich arbeitet.

 

Was passiert bei einem Notfall?

 

Weil Du nach diesem Kurs einen ganz neuen Zugang zu deinem Körper haben wirst, spürst Du intuitiv, wann es notwendig ist, medizinisches Personal hinzuzuziehen. Aber auch dann bleibst Du in Deiner Selbstbestimmung. Wenn Du Deinen Körper nämlich arbeiten lässt und Dich nicht dem Druck eines medizinischen Personals aussetzt, dann hast Du hohe Chancen auf eine natürliche Geburt - auch in einem Spital oder Geburtshaus. Wahrscheinlich ist auch eine top ausgebildete Hebamme bei der Hausgeburt dabei, die dich begleitet.

Ausserdem ist man in der Schweiz vielerorts innert 10 Minuten in einem Krankenhaus.

 

Haben die älteren Kinder keinen Schock, wenn die Mama bei der Hausgeburt Schmerzen hat und schreit?

 

Selten. Da die Mutter in einem entspannten Zustand ist, hat sie viel weniger Schmerzen, beziehungsweise. nimmt die Kontraktionen vielleicht sogar als wohligen Wellenzustand wahr. Sie hat vielleicht Freude und kann den Kindern mitteilen, was sie gerade erlebt. Die Kinder sind bestimmt auch vorbereitet worden auf das, was passiert. Somit sind die Kinder viel weniger belastet, als wenn sie die Mutter im Krankenhaus besuchen müssen. Dort, wo die Verletzten hingehen, wenn sie Schmerzen haben. Und dann liegt die Mutter sogar noch mit einem unbekannten Kind im Arm da. Schräge Szene für ein Kind. ("Das neue Kind ist böse, es hat Mami weh gemacht und deshalb musste sie ins Krankenhaus."). Eifersucht gibt es zwischen Kindern weniger, wenn das jüngere daheim geboren wurde.

 

Wenn Du weitere Fragen hast, bin ich sehr gespannt darauf und freue mich, sie beantworten zu dürfen. Stelle sie mir einfach  - per Mail oder über meine Facebookseite yourwave..

 

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